Alpe Adria GenussTransAlp II Fotos & Tagebuch der Bikeladys 2010
vom 19.09. - 25.09.2010 RÜCKBLICK
Die herbstliche Südalpenüberquerung war ein Farbenmeer!
Das Herbst-Bikeerlebnis schlechthin - jeder Tag voller unvergesslicher Eindrücke und Erlebnisse. Hier finden Sie die beeindruckenden Fotos und das Tour-Tagebuch
der drei bayrischen Bikeladys.
Voller Vorfreude, aber auch mit gemischten Gefühlen, treffen wir am 19.09.2010 im Hotel Lindenhof in Feld am See ein. Was und vor allem wer erwartet uns? Aber schon beim ersten Kennenlernen der Teilnehmer, bei dem wir von Hannes auf die Tour eingestimmt und mit einem superleckeren Welcome Dinner verwöhnt werden, ist allen klar, dass wir eine schöne Zeit haben werden.
Tag 1: Feld am See – Faaker See – Baumgartner - ca. 53 km – 1332 hm
Am nächsten Morgen geht`s also los. Insgesamt sind wir 11 MTBler: Guide Martin, Kulinarik-Guide Hannes, fünf Männer und wir vier „Quoten-Frauen“ mit den unterschiedlichsten „Nationalitäten“ –Bayern, Westfalen, Steiermark, Kärnten und Niederösterreich. Nervosität kommt auf – reicht unser Können, unsere Kondition und halten wir 5 Tage lang durch? Gott sei Dank!! Es ist zwar noch etwas diesig, aber die Wetteraussichten für die ganze Woche sind bestens.
Etwas pessimistisch starten wir mit Winterschuhen und Schal! Im Rucksack ist zwar die Regenjacke dabei, aber es sieht so aus, als bräuchten wir diese nicht. Nach einem leichten Anstieg gelangen wir zum Afritzer See und nach weiteren 350 hm kommen wir zum Rainer-Bauer. Nach längerer Abfahrt und einem erneuten Anstieg von ca. 250 hm erreichen wir Maria Gail, wo wir unser erstes Mittagspäuschen von 1 ½ Stunden einlegen.
Mit viel Elan machen wir uns an den Rest der Etappe. Wir fahren einen schönen Waldtrail (wobei im Schlamm unsere kindliche Ader zum Vorschein kam) und erklimmen die letzten 300 Höhenmeter gemütlich auf unseren Bikes, vorbei an der Burg Finkenstein bis zur Baumgartnerhöhe. Nach kurzer Radl- und Körperhygiene treffen wir uns auf der Terrasse, genießen den gigantischen Ausblick auf die Burg und fangen die letzten Sonnenstrahlen ein.
Tag 2: Baumgartner – Boheiner See - ca. 70 km - 1835 hm
Wir starten um 9.00 Uhr. Nach kurzer Bergabfahrt folgen ca. 500 hm zum Jepza-Sattel auf Schotterstraße. Über die Karawanken heißt es dann etwa ¼ Stunde Rad schieben und tragen. Unser Guide Martin und sein Freund Günther sind hierbei den Damen gerne behilflich, was sich fast alle gefallen lassen. Wie von Zauberhand gelangen wir über die Grenze nach Slowenien. Wieder kommt eine schöne Trailabfahrt durch den Wald. Bei Psnak legen wir eine Mittagspause auf einem Bauernhof ein. Einige Männer unterstützen die Wirtin bei der Vorbereitung des „Mahles“ und wir stärken uns mit Brotzeit und Bohnen-Krauteintopf, wobei Letzterer zwei Mädels nicht gut bekommt. Manchmal ist Trockenbrot einfach mehr. Mit schwerem Magen rollen wir durch den Triglav Nationalpark, welcher landschaftlich eine Augenweide ist.
Allerdings hat es die restl. Strecke bis zum Boheiner See in sich. Immerhin sind noch insgesamt ca. 1000 hm zu bewältigen, die immer anstrengender werden. Schön langsam fangen manche an innerlich zu „fluchen“, hieß es nicht Genusstour?. Hier kommt die Gruppendynamik voll auf ihre Kosten, wir ermuntern uns gegenseitig und träumen vom Hotel mit Sauna, Wein u.a.. Zwischendurch werden von den Teilnehmern, die noch reden können, Späße zur allgemeinen Erheiterung gemacht. Dann endlich sind wir oben und wir dürfen 400hm abwärts fahren. Der Trail fordert zwar noch etwas Konzentration, aber beim Erreichen des Hotels am See reden wir alle beim Ankunftsbier schon wieder munter durcheinander und sind unendlich stolz auf uns.
Nach der Sauna gehen wir zu einem „Geheimtipp“ zum Abendessen. Allerdings hat der Wirt genau heute keine Lust und es gibt nur Pizza und nur Obstler – basta. Diese slowenische Gastfreundlichkeit ermuntert uns immer mehr das slowenische Bier zu vernichten – mit der Folge, dass wir glücklich und vollkommen erschöpft ins Bett fallen.
Tag 3: Boheiner See – Tolmin - ca.60 km - 1209 hm
Aufgrund der gestrigen Anstrengung starten wir heute erst um 10.30 Uhr. So sind wir wieder gut erholt, wenn auch mit schweren Beinen. Aber schon nach wenigen Kilometern haben wir uns eingeradelt und so schaffen wir den Anstieg von ca. 800 hm auf Asphaltstraßen sehr gut. Am höchsten Punkt des Tages sitzen wir in der strahlenden Sonne bei Kaffee und lassen es uns gut gehen. Wir haben uns, wie immer, während der Rast sehr viel zu erzählen. Man hat das Gefühl, dass sich jeder in der Gruppe sehr wohl fühlt und wir immer mehr zusammenwachsen.
Anschließend fahren wir lange Zeit bergab und wir üben uns auch gelegentlich im Windschattenfahren, bis unser Chef Martin uns wieder einfängt. Nach einem weiteren Anstieg von ca. 5 km werden wir schon von unserem Guide an einem sehr idyllischen Plätzchen mit einer Flasche Wein empfangen. Wir stärken uns mit Obst und Müsliriegeln und rollen dann gemütlich nur noch bergab, bis wir entspannt unser Etappenziel, Hotel Krn, in Tolmin erreichen.
Auf Empfehlung von Günther, der sich als Slowenienkenner erweist, da er alle Berge bei Namen und vor allem ein sehr gutes Lokal kennt, fahren wir mit dem Taxi (wer will schon Rad fahren??) zum Jazbec nach Kobarid. Von jetzt an nehmen die kulinarischen Höhepunkte ihren Lauf. Bei königlicher Bewirtung und hervorragender Fischplatte genießen wir den Abend, Dober tek (=Guten Appetit). So können wir auch gut gestärkt und bestens gelaunt die rasante Taxifahrt überstehen.
Tag 4: Tolmin – Medana – ca. 50 km – 912 hm
Start: 10 Uhr morgens und wieder scheint die Sonne. Fröhlich starten wir unsere vorletzte Tour. Es ist deutlich zu spüren, dass wir uns immer mehr Richtung Süden bewegen, da die Luft immer wärmer wird. Die Regenjacken nehmen wir schon gar nicht mehr mit. Nach einer kurzen Fahrt durch verschiedene kleine Ortschaften begeben wir uns zu unseren längeren Anstieg von ca. 500hm. Irgendwie fällt uns das Radfahren immer leichter.
Außerdem haben wir die Aussicht auf ein Picknick am „Gipfel“. Gemeinsam beschließen wir, die Tour etwas abzuändern und am Bergkamm entlang zu radeln, da die Aussicht wirklich unbeschreiblich ist. Alles schön und gut – aber wo sind Hubert und unser Kulinarik-Guide Hannes mit ihren Rucksäcken voller Brotzeit?. Sie wollen nur kurz ihre Trinkflaschen auffüllen und schon sind sie 300 hm tiefer als der Rest der Gruppe. Gott sei Dank gibt es Handys. Während die Beiden zu uns herauf radeln – worauf wir größten Wert legen - können wir relaxen, in der Wiese rumlümmeln und Sonne tanken. Apropos tanken: auch Dank des „Almdudlers“ (Schnaps-selbstgemacht von Günther) haben wir eine Riesengaudi und können so, nach Eintreffen von den verlorenen Söhnen, natürlich sofort froh und ausgeruht weiterradeln (was vor allem Hannes sehr freute…).
Bald dürfen wir wieder ein Päuschen machen, denn wir sind am Berg angekommen und bis wir uns umsehen, decken die Männer den Picknicktisch. Verschiedene Kostbarkeiten kommen zum Vorschein: Käse, Brot, Essiggurken, Peperoni, Schinken und Speck. Wieder zauberte Martin Rotwein aus seinem Rucksack. Was kann es schöneres geben, mit netten Menschen, auf einem Berg, bei gutem Essen in der Sonne sitzen – oder liegen. Doch wir „müssen“ noch einmal aufs Rad und so bewegen wir uns bergauf – bergab entlang der slowenisch-italienischen Grenze durch buntgefärbte Wälder und Weinberge mit tiefblauen Trauben. Eine Pracht. Die gefahrenen Höhenmeter sind fast nicht spürbar und so kommen wir gut gelaunt auf dem Balkon unseres Hotels „Weingut Buzinel“ an. Wir genießen den faszinierenden Ausblick auf die Weinberge und vor allem das, von Hannes bestellte, Fischmenü mit jeweils passendem Wein – vom Feinsten.
Tag 5: Medana – Duino – 40km – 415 hm
Nur noch wenige Höhenmeter trennen uns von der italienischen Adria. Allerdings hatten die es in sich. Auf Forstwegen radeln wir erst gemütlich von Duino nach Peteano. Nach einer Kehrtwendung aufgrund Überschwemmung des Weges, kommt der Anstieg. Ca. 200 hm grober Schotter – dann bergab – wieder ca. 200 hm noch gröberer Schotter auf ziemlicher Steigung.
Jetzt merkt man den Einzelnen schon die Anstrengungen der letzten Tage an – aber wir schaffen es. Überglücklich erreichen wir das Castello von Duino und gratulieren uns voller Stolz über unsere Leistung. Geschafft – und das gesund und munter. Bis auf ein paar „Botschn“ (= platter Reifen) und einen Kettenriss ist zum Glück nichts passiert. Wir besichtigen das Castello und genießen den wunderbaren Blick auf das Meer. Direkt an der Adria gibt es noch ein letztes Mal ein Fischmenü mit panierten Muscheln und Wein. Jetzt heißt es: ab ins Wasser. Alle, wirklich alle, stürzen sich in die „eiskalten“ Wassermassen.
Plötzlich werden die Wolken dichter, schnell die Räder im wartenden Bus verstauen und ab geht es in Richtung Kärnten. Schon fängt es an zu tröpfeln. Das nennt man Punktlandung. Am Abend lassen wir uns noch einmal von Hannes im Hotel Lindenhof bei einem Bye-bye-dinner verwöhnen. Mit viel Spaß sehen wir uns den von Hubert zusammengeschnittenen Film an und lassen die Woche Revue passieren. Alle sind glücklich über die harmonische und vor allem humorvolle Gruppe, die Plagerei ist schnell vergessen und die schönen Erlebnisse bei perfekten, sonnigen Herbstwetter treten in den Vordergrund.
Unser Fazit der AlpeAdria GenussTransAlp:
Mit etwas Kondition und einigen MTB-Touren in den Beinen können auch wir Frauen diese Alpenüberquerung schaffen und uns riesig über die gelungene Tour freuen. Der Genuss stand immer im Mittelpunkt – kulinarisch und sportlich, gepaart mit Spaß und gesundem Ehrgeiz. Danke Martin, danke Hannes für die wunderschöne Zeit und die hervorragende Planung der Tour.